Es ist nun 100 Jahre her, dass die Alzheimer-Krankheit entdeckt wurde. Alzheimer ist der schlimmste Demenzprozess, den die meisten von uns bekommen, wenn sie nur alt genug würden. Die, die Alzheimer bekommen, werden immer mehr dement und verschwinden letztlich ganz hier von der Welt. In dieser Zeit schrumpft das Gehirn und die Gehirnzellen lagern einen Stoff ein, den man Amyloid nennt. Dieser Stoff bilden in den Zellen dann eine Art Geflecht, und die chemischen Signale zwischen den Zellen lassen nach.
Die medizinische Behandlung von Alzheimer ist weit weg von Jubelschreien. Sie soll die chemischen Signale zwischen den Zellen stärken, die durch Alzheimer abgeschwächt werden. Nun plötzlich, nach 100 Jahren, ergibt sich eine neue Theorie. Dieser Theorie zur Folge, ist die Alzheimererkrankung eine anderer Form der Zuckerkrankheit. Die Theorie ist so gut untermauert, dass manche Alzheimer bereits als Typ-3 Diabetes bezeichnen.
Diabetiker sollten jetzt jedoch nicht nervös werden, Typ-3 Diabetes hat keine Verbindung mit der insulinpflichtigem Typ-1 Diabetes oder dem Alterdiabetes, Typ-2-Diabetes. Typ-3 Diabetes tritt ausschließlich im Gehirn auf. Wie geht das?
Die Erklärung ist simpel, wenn man nur einige Fakten über Diabetes und Insulin kennt: Bei Zuckerkranken fehlt das so genannte Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Das unglückliche daran ist, dass Insulin notwendig ist, um den Blutzucker in den Zellen zu transportieren, die ihn verbrennen und somit Energie erzeugen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Gehirn ist vollständig abhängig von Glukose, weil es nur den Blutzucker (Fruchtzucker und Glukose)verbrennen kann und kein Fett.
Das Gehirn braucht also ebenfalls Insulin. Aber warum das? Die neue Theorie basiert darauf, dass das Gehirn das selber bildet! Die geschieht vor allem im Stirnlappen und in den tiefer gelegenen Hirnschichten, die sich Hippocampus und Hypothalamus nennen. Das dort produzierte Insulin wirkt nur im Gehirn und kann nicht außerhalb des Gehirns verwendet werden. Entsprechend kann das Insulin der Bauchspeicheldrüse nicht ins Gehirn eindringen. Man kann auch Zuckerkrank im Kopf sein und nicht im Rest des Körper oder aber umgekehrt.
Q10 beschützt das Gehirn
Mannigfaltige Daten haben gezeigt, dass es bereits im frühen Stadium von Alzheimer Zeichen für einen Defekt in der Zuckerverwertung im Gehirn gibt. Wird der Typ-3 Diabetes auch durch einen Mangel an Insulin und somit durch Zucker in den Zellen bedingt? Ein wichtiges Argument für diese These sind kürzlich erfolgte Tierversuche, bei denen man die chemische Insulinwirkung eliminierte, indem man ein spezielles Insulingift (Streptozotozin) in die Tiergehirne spritzte. Sie wurden nicht nur durch diesen Hirnzucker krank, sondern sie bildeten dann auch weniger Signalstoffe, bekamen Amyloid-Ablagerungen und bildeten Fibrinfasern in den Nervenzellen, genau so wie bei Alzheimer.
Alzheimer kann auch dadurch bedingt sein, dass dem Gehirn die Energie fehlt, um seine Funktionen auszuführen. In der Folge der zentralen Forschung im Umkreis von Suzanne de la Monte von der amerikanischen Brown Universität, will der Defekt in erster Linie zur Bildung von freien Sauerstoffradikalen führen (das nennt man „oxidativen Stress“), weil die geschwächten Zellen es nicht mehr schaffen, diesen zu neutralisieren, zum Beispiel weil sie dazu eigene Enzyme bilden müssten. Sie häufen freie Radikale an, bedingt durch die Amyloid-Ablagerungen, Fibrin und so weiter. Das zerstört die Hirnzellen.
Aber wenn freie Radikale der Grund für den Nervenschaden sind, wieso nutzt man dann keine Antioxidantien um sie einzufangen? Ist das ein Zufall? Ja, in den neuen Tierversuchen mit dem selben Insulingift gab man den Tieren danach grosse Dosen an Q10 für drei Wochen lang. Den Tieren ging es besser und besser in allen gemessenen Bereichen. Ihre Gehirnzellen bildeten mehr Energie, sie fanden sich besser im Labyrinth zurecht und bildeten mehr Signalstoffe im Gehirn.
Ist es nicht unangemessen hier, an mehrere Untersuchungen zu erinnern, die bewiesen, dass zum Beispiel der Gebrauch von Vitamin E und C wesentlich das Alzheimer-Risiko herabsenkt? Oder das statistisch ein Zusammenhang zwischen niedrigem Selenspiegel im Blut und schnellem Voranschreiten der Demenz besteht? Vitamin C und E sind wie Selen und Q10 Antioxidantien.
Ist der Zusammenhang haltbar? Dass sollte man überdenken, während die mühevolle Forschung an Menschen in den kommenden Jahren mehr an Gestalt zunehmen wird.
Referenzen:
- 1. Ishrat T et al. Coenzyme Q10 modulates cognitive impairment against intracerebroventricular injection of streptozotocin in rats. Behav. Brain Res. 2006; Apr 16;(Epub ahead of print)
- 2. Lester-Coll N et al. Intracerebral streptozotocin model of type 3 diabetes: Relevance to sporadic Alzheimer disease. J Alzheimers Dis. 2006;9:13-33.