Dieses Aufsehen erweckende Ergebnis stammt aus der sogenannten ATBC-Untersuchung, einer finnischen Untersuchung von 1994, die zeigte, dass das Risiko für Lungenkrebs bei männlichen Rauchern durch die Einnahme einer großen Menge von Betakarotin – dem gelben Farbstoff der Mohrrüben - nicht fiel sondern anstieg.
Die ATBC-Untersuchung traf die Forscher dieser Welt wie ein Schock, denn als Hintergrund zu dieser Studie gab es eine ansehnliche Anzahl von Tierversuchen, welche die vorbeugende Wirkung von Antioxidanten auf Krebs zu beweisen schienen. Dieser Versuch war seitdem das wichtigste Argument für wiederkehrende Warnungen vor Antioxidanten im Fernsehen etc.
In einer neuen Untersuchung sind jetzt Statistiker der prestigeträchtigen amerikanischen Universität in Yale zusammen mit finnischen Kollegen 1.787 Lungenkrebsfälle durchgegangen. So viele der fast 27.000 männlichen Kettenraucher bekamen nämlich im Laufe von 14 Jahren einen Lungenkrebs. In der neuen Untersuchung wurde jetzt aber nicht nur ein einziges Antioxidant, sondern die gesamte Einnahme von antioxidativen Stoffen wie Selen, Vitamin E, C, sowie Pflanzenfarbstoffen, den sogenannten Karotenoiden und Flavonoiden miteinbezogen. Zuvor wurde ein Index erarbeitet – der Umfassendste den es bisher gab – der die gesamte Einnahme von antioxidativen Stoffen in einer Zahl zusammenfasste.
Es zeigte sich das ein Fünftel der Raucher mit dem höchsten Index statistisch betrachtet ihr Risiko für Lungenkrebs um 16% gesenkt hatten! Raucher, die sehr viel Fleisch zu sich nahmen – rotes Fleisch hat eine besondere oxidierende Wirkung – hatten ein um 25% vermindertes Risiko! Dies unterstreicht, dass das Ergebnis genau auf diese antioxidative Wirkung zurückzuführen ist.
Solche Ergebnisse wurden nicht zum ersten Mal erhalten, sie sind aber besonders Aufsehen erregend, da sie ausgerechnet von der ATBC-Untersuchung stammen, dem wichtigsten Argument gegen die Einnahme von Antioxidanten. In zwei anderen großen Untersuchungen wurde ein vermindertes Lungenkrebsrisiko von 32% oder sogar 68% gefunden.
In einem Kommentar heben die Forscher hervor, dass der Grund für das frühere Ergebnis daran liegen kann, dass die Raucher keine Vitaminkombination sondern nur das Betakarotin einnahmen. Sie forderten alle Raucher dazu auf eine große Auswahl an antioxidativen Stoffen einzunehmen um sich gegen Krebs zu schützen.
Literaturhinweise:
- Wright ME et al. Development of a comprehensive dietary antioxidant index and application to lung cancer risk in a corhort of male smokers. Am J Epidemiol 2004;160:68-76.
- Yong LC et al.Intake og vitamins E, C and A and risk of lung cancer: The NHANES I epidemiologic follow-up study . Am J Epidemiol 1997;146:231-43.
- Michaud DS et al. Intake of specific carotenoids and risk of lung cancer in 2 prospective US cohorts. Am J Clin Nutr 2000;72:990-7.