Antioxidanten verlängern das Leben. Wenn man die Erbanlagen von Mäusen manipuliert, so dass sie extra viel des antioxidierenden Enzyms Katalase bilden, leben die Mäuse durchschnittlich 20% länger.
Zugleich altern Sie langsamer, welches an einer niedrigeren Tendenz zu Grauem Star sowie ein geringeren altersbedingten Schwächung des Herzmuskels zu erkennen ist. Etwas dem entsprechendem kann sehr wahrscheinlich mit Menschen erreicht werden, obgleich eine Manipulation mit den Erbanlagen nicht ins Gespräch kommt.
Dies ist die Botschaft von einem der Schwergewichte in der biologischen Medizin, der Amerikaner Peter S. Rabinovitch, Professor der Pathologie an der Universität zu Washington. Rabinovitch ist für seinen Anteil in der Entwicklung der sogenannten Flow Cytometrie, einer Technik zum Zählen und Sortieren von Zellen nach ihren biologischen Eigenschaften. Flow Cytometrie wird jeden Tag weltweit benutzt, wenn Forscher beispielsweise Krebszellen oder Zellen mit besonderen genetischen Eigenschaften u.a.m. zählen und sammeln.
Das Enzym Katalase, um welches diese Botschaft sich dreht, ist ein bekannter Antioxidant. Es neutralisiert Wasserstoffperoxid und verhindert dadurch die Bildung von freien Sauerstoffradikalen, die sonst die DNS der Zellen zerstören, Krebs herbeiführen oder die Zellen töten könnten.
Rabinovitch und sein Team manipulierte die DNS der Mäuse auf drei verschiedene Arten. Einige wurden dazu veranlasst im Zellkern mehr Katalase zu bilden, wo sich die DNS befindet. Andere wurden dazu veranlasst im flüssigen Inneren der Zelle, dem Zytoplasma, mehr zu bilden. Letztlich wurde eine dritte Gruppe dazu manipuliert in den Mitochondrien (den mikroskopischen Energiefabrikken, die im Zytoplasma schwimmen und Sauerstoff und Kohlenstoff zu Kohlendioxid und Wasser - sowie Energie - umbilden) Katalase zu bilden.
Welche Mäuse lebten am längsten? Das taten die Letztgenannten! Während die ersten beiden Gruppen nur unbedeutend länger lebten, so konnte das Beschützen der Mitochondrien ihr Leben um 20% verlängern.
Beschütze die Mitochondrien
Es ist eine dominierende Theorie, dass Alterung mit der Degeneration dieser merkwürdigen Mikro-Organe zusammenhängt, die es in allen Zellen gibt. Die einzige Ausnahme stellen Spermazellen dar, die keine Mitochondrien enthalten, während sie in Eizellen vorkommen, weshalb sowohl Männer als Frauen ihre Mitochondrien von ihrer Mutter erhalten.
Ein Mitochondrium hat seine eigene DNS, das verglichen mit dem DNS im Zellkern recht verletzbar gegenüber freien Radikalen ist. Leider bilden die Mitochondrien selbst Sauerstoffradikale. Jenes ist eine unumgängliche Nebenwirkung ihrer Funktion. Die Bildung nimmt im Takt mit ihrer Alterung zu, welches die gesamte Maschinerie der Zelle beeinträchtigt. Es ist leicht sich vorzustellen, dass wenn die Mitochondrien altern, altern die Zellen.
Rabinovitch hebt hervor, dass die neue Studie die Theorie unterstützt, die besagt, dass freie Radikale Alterung verursachen, und dass diese vor allem in den Mitochondrien gebildet werden. Dies kann in bedeutendem Maße die Suche nach lebensverlängernder Medizin zielrichten, welches Rabinovitch empfiehlt.
Eine naheliegende Möglichkeit, die er jedoch nicht erwähnt, steht bereits zur Verfügung, nämlich das Mineral Selen. Etliche Untersuchungen, u.a. von Rabinovitch selbst, haben gezeigt, das Selen Krebs vorbeugt, und Versuche, die dies endgültig belegen sollen, sind in Gange. In selenarmen Ländern wie Deutschland, werden Selenzuschüsse eine wesentlich höhere Produktion des antioxidierenden Enzyms Gluthation-Peroxidase (GSHpx) herbeiführen.
Das Interessante ist, das GSHpx Wasserstoffperoxid in exakt gleicher Weise neutralisiert wie Katalase.
Referenzen:
- Science (DOI 10.1126/science.1106653).
- Rudolph RE, Vaughan TL, Kristal AR, Blount PL, Levine DS, Galipeau PC, Prevo LJ, Sanchez CA, Rabinovitch PS, Reid BJ Serum selenium levels in relation to markers of neoplastic progression among persons with Barrett's esophagus. J Natl Cancer Inst. 2003 May 21;95(10):750-7.