In der westlichen Welt ist Gehirnblutung direkt nach Herzkrankheiten und Krebs eine der häufigsten Todesursachen. Unter den Überlebenden trifft viele das traurige Schicksal mit Hirnschäden und Lähmungen. Es werden jedoch mehr und mehr Menschen Gehirnblutungen bekommen, das mehr und mehr Menschen immer älter werden.
Kann man diese düstere Perspektive verbessern? Unzählige Versuche haben gezeigt, dass Antioxidantien sowohl einer Hirnblutung vorbeugen, als auch die nachfolgenden Hirnschäden verringern können, wenn das Unglück trotzdem auftritt. Diese faszinierende Fähigkeit wurde genauestens in einer wertvollen Untersuchung von Forschern des pharmakologischen Laboratoriums der Rene-Descartes-Universität in Paris beleuchtet.
Egal was man uns glauben machen will, eine Hirnblutung ist selten eine richtige Blutung. Weitaus häufiger ist es ein Blutpfropf, der entweder in der Innenseite der grossen Pulsadern im Gehirn gebildet wird – auf die selbe Weise wie ein Blutpfropf im Herz – oder durch das Blut herantransportiert wird. Trotz Verwirrungen bei der Bezeichnung, die Folgen sind die selben: Teile des Gehirns in der betroffenen Seite bekommen keinen Sauerstoff mehr und gehen zu Grunde, während das Opfer mehr oder weniger ausgeprägte Lähmungen in der entgegengesetzten Seite bekommt.
Hier ist der Punkt, an dem Antioxidantien ins Spiel treten. Sie bekämpfen die freien Sauerstoffradikale, die am grössten Teil der Hirnschäden Schuld tragen. Die freien Radikale werden unter Sauerstoffmangel gebildet, jedoch ist es paradoxerweise kein Vorteil wenn der Körper selbst den Blutpfropf abbaut – und wenn dieser medizinisch aufgelöst wird, was sich in etwa noch innerhalb der ersten drei Stunden nach den ersten Symptomen machen lässt. Die erneute Blutzufuhr – auch Reperfusion genannt – führt unglücklicherweise eine massive Produktion von freien Radikalen mit sich – und damit auch weitere Hirnschäden. Egal ob die Blutversorgung nun wieder in Gang gebracht wird oder nicht, es kann trotzdem schief gehen.
Warum entstehen diese freien Radikale nun ausgerechnet in Gewebe, dass kein Blut bekommt oder sogar nur vorübergehend zu wenig Blut bekam? Der Artikel beschreibt die Möglichkeiten. Bestimmte Enzyme, die normalerweise freie Radikale inaktivieren, stoppen zum Beispiel ihre Funktion. Ausserdem spielt unter anderem auch eine Schwächung der Mitochondrien – die Energiefabriken der Zellen – eine Rolle. Mitochondrien verarbeiten Sauerstoff, und wenn sie geschwächt werden, entschlüpfen ihnen freie Radikale. Es wurde bewiesen, dass sich die Hirnschäden verschlimmern, je mehr freie Radikale gebildet werden.
Von daher nimmt man logischerweise an, dass Antioxidantien den Schaden begrenzen können. Es wurde ausserdem an vielen Tierversuchen bewiesen. Hier hat man die Schäden um mehr als 50% gesenkt, indem man die Tiere mit Antioxidantien wie NAC (N-Acetyl-Cystein), Resveratrol (ein Farbstoff im Rotwein), Liponsäure (ein nützliches und unschädliches Nahrungsergänzungsmittel) oder Melatonin (genauso nützlich und unschädlich) vorbehandelte. Auch mit Vitamin E konnten die Schäden mehr als halbiert werden. Am besten wirkt es natürlich wenn die Handlung sehr schnell in Gang gesetzt wurde. Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe.
Nun sind mehrere klinische Versuche am Menschen im Gang, die Schwierigkeit ist jedoch, dass man nicht voraussehen kann wann eine Person eine Hirnblutung bekommt. In den Versuchen wird die Behandlung erst eingesetzt, wenn die Hirnblutung aufgetreten ist. Sichere Resultate hat man von daher auch noch nicht, und die Antioxidantien die eingesetzt werden, sind leider synthetische Stoffe, die man vielleicht patentier kann (oder später als Tiermedizin verkaufen kann): Tirilazad, Ebselen, Edavaron und NXY-059. Edavaron ist in Japan als Behandlungsmittel anerkannt.
Was können nun normale Menschen mit diesen Informationen anfangen? Die Übersicht konkludiert, dass Antioxidantien „mit Sicherheit unter den vielversprechendsten Mitteln gegen Hirnblutung sind“, und dass es von „grösstem Interesse“ ist im Zusammenspiel mit der medizinischen Auflösung der Blutpfropfe, die heutzutage gebraucht wird.
Man sollte jedoch selber wählen. Es ist jedoch wert sich zu merken, dass ein regelmässiger Zuschuss von Antioxidantien möglicherweise den tragische Folgen einer Hirnblutung vorbeugen können.
Literaturhinweise:
Isabelle Margaill et al. Antioxidant strategies in the treatment of stroke. Free Radical Biology and Medicine 2005;39:429-43.