Winterdepression - SAD

Beschränkt sich auf die dunklen Jahreszeiten und beruht in den meisten Fällen auf mangelndes Tageslicht. Einige Menschen reagieren mit schwindender guter Laune sowie einem erhöhten Bedarf an Schlaf.

Winterdepression oder SAD - seasonal affective disorder - ist kein seltenes Leiden. Ca 1% der Bevölkerung leidet daran. Viele der Symptome sind anders als bei einem gewöhnlichen manisch-depressiven Leiden. Bei gewöhnlicher Depression sind diese normalerweise Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit schlechtes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und ein Gefühl von Hoffnungs- und Hilflosigkeit.

Bei einer Winterdepression sind die Klagen anders. Außer Bedrücktheit kommen Müdigkeit, wenig Energie, soziales Zurückziehen und ein erhöhter Appetit, besonders auf Süßigkeiten und andere Kohlenhydrate. Dies ist auf eine Weise mit dem Winterschlaf der Tiere zu vergleichen. Viele haben einen leichten Grad von Winterdepression, sodass es einem nicht als Krankheit vorkommt. Winterdepressionen treten im steigendem Maße auf, je näher man den Polen kommt.

Die Müdigkeit bei einer Winterdepression hat einen Zusammenhang mit Melatonin, einem Hormon, dass die Zirbeldrüse des Gehirns bildet, wenn es dunkel ist und dessen Produktion sie herabsetzt, wenn ausreichend starkes Licht durch die Augen dringt. Gewöhnliches Licht von Glühbirnen kann binnen kurzer Zeit für eine Weile die nächtliche Melatoninproduktion stoppen, z.B. indem man nachts das Licht anschaltet um auf Toilette zu gehen.

Obgleich die Ursache für Winterdepressionen nicht voll erforscht ist, ist es bekannt, dass der Großteil der Menschen mit Winterdepressionen eine anormale Tagesproduktion Melatonin haben. Nachts kulminiert die Melatoninproduktion der Zirbeldrüse gewöhnlich um zwei Uhr herum, aber bei Winterdepressiven wird ein paar Stunden länger als normal mit voller Kraft Melatonin produziert. Sowohl eine zu niedrige als eine zu hohe Melatoninproduktion scheint psychische Unbalancen herforrufen zu können.

Der Signalstoff Serotonin hat ebenfalls eine große Bedeutung für Winterdepressionen. Menschen mit diesem Leiden haben ein niedriges Serotoninniveau, welches den Appetit fördert und mit dem Drang nach Süßigkeiten und anderen Kohlenhydraten zusammenhängt. Menschen mit einer Anfälligkeit für Winterdepressionen geht es in der Regel auch besser, wenn sie viele Kohlenhydrate (Stärke- und Zuckerstoffe wie Brot, Nudeln und Kartoffeln) essen.

Lichttherapie bedeutet, dass man sich täglich für einen bestimmten Zeitraum in starkem, künstlichem Licht aufhält. Nachdem man herausfand, dass Aufenthalt in erhellten Räumen den Tages- und Jahreszeitrhythmus von Tieren ändern konnte, begann man Lichttherapie zur Behandlung von Winterdepression bei Menschen anzuwenden.

1980 wiesen Forscher nach, dass es einer höheren Lichtstärke (> 2.000 Lux) bedarf, um eine Absonderung von Melatonin bei Menschen zu hemmen. Es war diese Entdeckung, die 1984 zu den ersten kontrollierten Untersuchungen von Lichttherapie-Behandlungen von Winterdepressionen führte. Eine große Anzahl kontrollierter Untersuchungen von Lichttherapie weltweit hat gezeigt, dass Lichttherapie eine effektive Behandlung von Winterdepressionen ist. Eine klinische Reaktion auf Lichttherapie hat bei längeren Versuchsserien einen Respons von 65% gegeben.

Den Effekt einer Lichttherapie bemerkt man für gewöhnlich nach 2-4 Tagen, und eine messbare Besserung kann nach einer Woche Behandlung nachgewiesen werden. Diese Symptome kehren jedoch schnell zurück, wenn man die Lichttherapie abbricht. Personen mit Depressionssymptomen wie erhöhter Schlafbedarf, erhöhter Appetit (auch auf Kohlenhydrate) und Gewichtsvermehrung reagieren positiv auf Lichttherapie, wo bei Personen, die an Melancholie oder Persönlichkeitsstörungen leiden, ein schwächerer Respons ist.

Bei einigen können bei Lichttherapie geringere Nebenwirkungen auftreten, wie Sehstörungen und müde Augen, Kopfschmerzen, Erregung und Aufregung, Schläfrigkeit und Manie, die doch zumeist bei einem Herabsetzen der Lichtdosis verschwinden.

Siehe eventuell www.lichttherapie.de

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Ernährung
Die Ernährung hat bei Winterdepressionen eine große Bedeutung. Normalerweise werden Menschen, die Süßigkeiten essen, nach einem kurzen Energieaufgschwung träge und weniger energisch. Bei Personen mit Winterdepressionen wirken die Kohlenhydrate wie Medizin gegen die Depression. Die Laune wird besser, weil die Kohlenhydrate die Serotoninmenge im Gehirn ansteigen lässt.

An Stelle von Süßigkeiten ist es natürlich gesünder komplexe Kohlenhydrate zu essen, wie sie z.B. in getrockneten Bohnen, Gemüse, Pasta, Brot, Keksen und anderen Getreideprodukten vorkommen. Zuckerhaltige Sachen können einen schwingenden Blutzucker geben, welches letztendlich zu Stimmungsschwankungen und anderen Leiden führen kann.

Kaffee Coffea arabica - morgens eine einzelne Tasse - kann auch einen guten Effekt haben, da Kaffee die Laune verbessert. Aber zuviel Kaffee kann Nervosität und Angst bringen, und ein plötzliches Aufhören von Kaffeetrinken kann als Abstinenz Depression zur Folge haben. Es ist deshalb klug, nur ein paar Tassen täglich zu trinken. Verträgt man keinen Kaffee, kann man stattdessen täglich Grünen Tee (Camellia sinensis) trinken.

Vitamine
Ein Effekt des Sonnenlichts, den wir nicht unmittelbar mit unserer Laune verbinden, ist, dass es die Haut zu Bildung von Vitamin D stimuliert. Forschung deutet darauf hin, dass Mangel an Vitamin D im Winter ein mitwirkender Faktor für Depressionen ist. In einer Studie nahmen die Winterdepressionen der Versuchspersonen ab, indem sie ein Jahr lang eine tägliche Dosis von 4.000 i.E. einnahmen. Die Wirkung soll darauf beruhen, dass es den Inhalt des Transmitterstoffs Serotonin im Gehirn erhöht.

Folsäure, ist ein B-Vitamin (B9), das u.a. in Limabohnen und Spinat enthalten ist, wirkt in Dosen von 200-400 Mikrogramm ebenfalls Depressionen entgegen. Diese Menge entspricht in etwa einer 3/4 Tasse gekochtem Spinat.

Mineralien
Das Mineral Selen ist ebenfalls gut bei Depressionen, z.B. in Gestalt von Fisch und Meeresfrüchten sowie Paranüssen, die äußerst Selenreich sind. Ansonsten kann Selen als täglicher Kostzuschuss eingenommen werden.

Nahrung, die die Mineralien Kalium und Magnesium enthält, wirkt auch antidepressiv. Kaliumhaltige Nahrungsmittel sind u.a. Kartoffeln, Avocados, Pfirsiche, Dörrpflaumen, Sojabohnen und Kürbiskerne.

Magnesium erhält man von: Avocados, Kürbiskernen, Sonnenblumen- und Sesamkernen, den meisten Samen, Nüssen, Mandeln, Hafer, Vollkornweizen, braunem Reis, Bohnen, Sojabohnen und Gemüse.

Kräuter
Knoblauch, Allium sativum und Chilipfeffer, Capsicum frutescens hilft ebenfalls einigen in bessere Laune zu kommen. Der Gebrauch von Alkohol, um in bessere Laune zu kommen, kann natürlich nicht empfohlen werden.

Andere launeverbessernde Kräuter sind:

  • Zitronenmelisse, Melissa officinalis,
  • Zitronenkraut, Lippia citriodora,
  • Ginkgo biloba (Ginkgobaum) stimuliert den Mikrokreislauf im Gehirn und erhöht die Energie der Zellen.
  • Hafer, Avena sativa stärkt die Nervenbalance.
  • Ingwer, Zingiber officinale hat bei Melancholie, Nervosität und Angst einen guten Effekt.
  • Süßholz, Glycyrrhiza glabra enthält mehrere antidepressive Stoffe: Bis zu 3 Tassen täglich, es sei denn, man habe eine Tendenz für erhöhten Blutdruck.
  • Linde, Tilia,
  • Ringelblume, Calendula officinalis,
  • Meerrettich, Armoracia rusticana,
  • Portulak, Portulaca oleracea wirkt antidepressiv, da er reich an sowohl Kalium als auch Magnesium, Folsäure, Kalzium und Lithium ist.
  • Essig-Rose, Rosa gallica wirkt antidepressiv.
  • Rosmarin, Rosmarinus officinalis enthält Zineol, welches das zentrale Nervensystem stimuliert.
  • Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus verleiht mehr Energie.
  • Salbei, Salvia officinale stärkt
  • Thymian, Thymus vulgaris wirkt stärkend.

- einzeln oder in Kombination - kann auch gegen Bedrücktheit verwendet werden - entweder als Tee oder Extrakt.

Als Öl, äußerlich:

  • Basilikum, Ocimum basilicum,
  • Bergamotte, Citrus bergamia,
  • Jasmin, Jasminum grandiflorum,
  • Kamille, Chamomilla recutica,
  • Lavendel, Lavandula,
  • Muskatnuss, Myristica fragrans,
  • Ylang-Ylang, Cananga odorata

- einzeln oder vermischt in kleinen Dosen - in einer Öllampe u.ä.

In Nordeuropa gibt es im Winter nur wenige Tage, wo es draußen hell genug ist, um das Gehirn via Licht durch die Augen beeinflussen zu können.

Lichttherapie
ist normalerweise eine sehr wirksame Behandlung für Menschen mit Winterdepressionen. Licht kann eine gestörte Melatoninabsonderung normalisieren Die Behandlung zeigt die beste Wirkung, wenn sie morgens 1-2 Stunden lang vollzogen wird. Die Therapie muss mit kaltem, weißen Licht oder vollspektriertem, starkem Licht über 2.000 Lux sein. Gern jeden Morgen zwei Stunden lang 2.500 Lux.

Nach einigen wenigen Wochen Behandlung pflegt die Laune und Aktivität zu steigen. Es ist auch möglich in Arbeitsräumen Leuchtstoffröhren mit Tageslichtqualität zu installieren, welches eine gute Investition sein kann, wenn man dazu neigt im Winter depressiv zu werden. Lichtbehandlung reduziert den Appetit und die Bedrücktheit und erleichtert Gewichtsverlust.

Regelmäßige Bewegung ist zu empfehlen, zumal physische Aktivität Depressionen entgegenwirkt. Es kann eine gute Idee sein draußen mitten am Tag 1-2 Stunden spazieren zu gehen, gern in Gesellschaft mit Freunden.

Melatoninzuschüsse haben einen guten Effekt gezeigt. Antidepressive Mittel können bei Winterdepressionen auch eine Hilfe sein. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist es eine gute Idee sich mit einem Johanniskraut-Mittel, Hypericum perforatum zu versuchen. Dieses Kraut hat eine beachtliche Wirkung auf depressive Symptome, aber anders als Arzneimittel gegen Depression kaum Nebenwirkungen.

Warnungen

Johanniskraut, Hypericum perforatum darf nicht zusammen mit konventionellen Arzneimitteln gegen Depression eingenommen werden, da es einen Einfluss auf die Umsetzung von einigen Medikamenten haben kann. Man sollte deshalb seinen Arzt informieren, wenn man vor hat, Johanniskraut zusammen mit konventioneller Medizin zu benutzen. Das Kraut darf außerdem nicht zur gleichen Zeit wie eine Lichttherapie verwendet werden, da es erhöht Lichtempfindlichkeit gibt.
Man darf nicht einfach irgendeine Lampe zur Lichttherapie anwenden! Gewöhnliches, klares Licht von z.B. einer starken Halogenlampe kann Schäden an Augen und Haut zur Folge haben, wenn diese gegen das Gesicht gerichtet wird. Die Lichtquelle muss CE-/TÜV-geprüft sein und somit einen Sicherheitstest bestanden haben.

Beachtungen

Personen mit Augenproblemen oder anderer Lichtempfindlichkeit sollten ihren Arzt konsultieren, bevor sie eine Lichttherapie beginnen.

Siehe eventuell auch www.lichttherapie.de

Siehe auch Depression, niedriger Blutzucker und Müdigkeit.

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